03.06.2005

Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft in Hockenheim

Das Finale um die Amateurmeisterschaft 2004/2005 fand vom 26.5.-28.5.2005 in der Motorsportmetropole Hockenheim statt. Der Spielort war natürlich nicht auf dem dort beheimateten Formel-1 Kurs, sondern in der schönen, beschaulichen Altstadt. Gespielt wurde in der Stadthalle, die an das Ramada-Treff Hotel Hockenheim angrenzt.
Die Ramada Hotelgruppe ist im vierten Jahr Sponsor der Amateurmeisterschaft. In fünf Vorrundenturnieren mussten sich die Spieler für das Finale qualifizieren. Diese Turniere wurden in Magdeburg, Aalen, Hamburg, Kassel und Köln-Brühl gespielt.
Es werden pro Turnier 5 Runden nach Schweizer System gespielt. Eingeteilt war das Teilnehmerfeld in 5 Gruppen. Diese richteten sich nach den ELO- bzw. nach den DWZ-Zahlen. In der A-Gruppe waren Spieler mit den Zahlen 2300-2101, in der B-Gruppe 2100-1901, in der C-Gruppe 1900-1701, in der D-Gruppe 1700-1501 und in der E-Gruppe 1500-0. Die jeweils 5 Ersten einer Gruppe in den Vorrundenturnieren haben sich dann für das Finale qualifiziert. Die Finalteilnahme hat für den SK Sieker schon seit 2 Jahren Tradition. Im Jahre 2003 erreichte Jürgen Werner in der C-Gruppe als erster Siekeraner das Finale. Er kam auf 50% der möglichen Punkte. Im letzten Jahr gab es beim Finale eine wahre Siekeraner Invasion. Christian Jackl und Rainer Borgstedt (D-Gruppe), Dietrich Schulz (C-Gruppe) und der Ex-Siekeraner Marko Suchland (B-Gruppe) hatten sich für das Finale in Wiesbaden qualifiziert. Leider blieben alle 4 Teilnehmer hinter ihren Erwartungen (50%) zurück. In diesem Jahr hatte ich mich durch meinen dritten Platz in Hamburg für das Finale in der B-Gruppe qualifiziert. Das Teilnehmerfeld in der B-Gruppe hatte es in sich. Nach den DWZ-Zahlen lag ich im unteren Mittelfeld (Platz 16 von 22). Deswegen schien mein Ziel 2,5 Punkte aus 5 Partien (50%) schon ein wenig zu hoch gegriffen.

Hier die Homepage Hockenheim 2005 und die Tabelle Finale Gruppe B mit Karsten Schöne

Die Anreise bei hoch sommerlichen Temperaturen hatte ich auf den 25.5. gelegt, um genug Zeit für die Akklimatisierung zu haben. Das Rahmenprogramm lud obendrein zu frühen Anreise ein. Der Austragungsort Hockenheim wurde vom Deutschen Schachbund deswegen
gewählt, weil der ansässige Schachverein sein 75-jähriges Vereinsjubiläum hatte. Deswegen wurde auch Ex-Weltmeister Anatoly Karpov für eine Simultanveranstaltung engagiert. Diese fand am 25.5. ab 20.00 Uhr statt. Dort traf ich mich dann mit unserem Ex-Mitglied Marko Suchland, den es mittlerweile beruflich nach Karlsruhe verschlagen hat. Karlsruhe ist nur 30 Minuten Autofahrt von Hockenheim entfernt. Nach einer kurzen Begrü ßungsrede spielte Karpov gegen 22 Teilnehmer simultan. Das Startgeld von 75,- € hat Marko und mich von einer Teilnahme abgehalten. Nach gut 4 Stunden Spielzeit hatte Karpov 19 Partien gewonnen, bei 3 Remis.
Am Fronleichnamstag begann dann um 10.00 Uhr das Turnier. Die Auslosung ergab für mich einen Gegner der gut 30 DWZ-Punkte besser war, sowie obendrein die schwarzen Steine. Es ist schon komisch, das war meine fünfte Teilnahme an einem Turnier der Amateurmeisterschaft und immer hatte ich 3 mal Schwarz und nur 2 mal Weiß. In der Eröffnung konnte ich schnell ausgleichen. Im Mittelspiel habe ich dann aber eine falsche Figur getauscht und kam heftig unter Druck. Nach einem Bauernverlust schien es nur noch eine Frage der Zeit bis ich aufgeben konnte. Mein Gegner ließ mir dann aber noch Schwindelchancen und ich konnte mich ins Remis retten. In der zweiten Runde musste ich mit Weiß gegen den Gewinner aus Hamburg antreten. Dieser hatte gut 70 DWZ-Punkte mehr als ich. Den Anzugsvorteil habe ich durch eine Ungenauigkeit in der Eröffnung verloren. Optisch machte die schwarze Stellung einen besseren Eindruck, aber FRITZ sieht die ganze Zeit Ausgleich für mich. Mein Remisangebot im 32. Zug lehnte mein Gegner ab. In der Folge überzog er die Stellung und verlor sogar noch. Somit hatte ich nach dem ersten Tag schon 1,5 Punkte auf meinem Konto. Noch ein Wort zu den Spielbedingungen. Bei Außentemperaturen von ca. 30 Grad, war es in der Halle angenehm klimatisiert. Trotzdem war ich nach den 2 Runden bei insgesamt 8 Stunden Spielzeit ziemlich k.o.
Der zweite Tag begann mit einer Überraschung für mich. Die Auslosung bescherte mir erneut die weißen Steine. Sollte ich doch 3 mal Weiß bekommen? Die Freude war schnell vorbei als ich sah, dass mein Gegner 100 DWZ-Punkte besser war als ich. Aus der Eröffnung behielt ich einen leichten Vorteil. Nach Damentausch schien das Endspiel zu verflachen, aber mein Gegner schlug mein Remisangebot im 31. Zug aus. Danach überspannte er aber den Bogen und ich erhielt eine klare Gewinnstellung (2 Mehrbauern im Turmendspiel). Zäh und mit Glück konnte sich mein Gegner dann aber doch noch ins Remis retten. Die Nachmittagsrunde bescherte mir dann mit den schwarzen Steinen einen ungefähr gleichstarken Gegner. Mein Gegner hatte die ganze Zeit über leichten Vorteil, konnte diesen aber nicht zum Gewinn ausbauen, da sich meine Stellung als verteidigungsfähig erwies. Nach gut 4 Stunden wurde dann remis vereinbart. Wieder einmal musste ich an diesem Tag 8 Stunden bei 30 Grad Außentemperatur spielen. 9 Runden lang würde ich das bestimmt nicht durchhalten! Die Schlussrunde hatte dann gleich 2 Überraschungen für mich parat. Zum Ersten musste ich gegen die Nummer 1 der Setzliste spielen. Zum Zweiten musste ich das mit Schwarz! Ja, ja der Fluch geht weiter. In der Eröffnung habe ich mich unverständlicher Weise auf unnötige Komplikationen eingelassen. Ich opferte einen Bauern, dafür erhielt mein Gegner 2 Doppelbauern. Die Kompensation war aber zu dürftig und mein Gegner konnte den Materialvorteil zu Gewinn verwandeln. Somit kam ich auf 2,5 Punkte (50%) bei einem DWZ-Schnitt von 2025 Punkten. In der Schlusstabelle habe ich Platz 10 belegt und insgesamt noch 12 DWZ-Punkte hinzu- gewonnen. Damit bin hochzufrieden. Das Schlussbankett am Samstagabend war dann sehr schön. Nach einem Sektempfang und einigen Begrüßungsreden (Karpov, DSB-Präsident Schlya, u.a.) wartete ein reichhaltiges Abendessen auf die Teilnehmer. In lustiger Runde wurde es ein schöner Abend, den ich, wie auch die gesamte Veranstaltung, in guter Erinnerung behalten werde.

Von:Karsten Schöne

Schachklub Sieker Bielefeld