19.02.2003

Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft 2003

Qualifikationsturnier Hannover

1. Tag:

Am Freitag den 14. Februar machten sich 7 Siekeraner auf zur Amateurmeisterschaft nach Hannover. Es war das vierte von fünf Qualifikationsturnieren. Gespielt wurde in fünf Gruppen: A-Gruppe ab DWZ 2100, B-Gruppe DWZ 1900-2099, C-Gruppe DWZ 1700-1899, D-Gruppe DWZ 1500-1699 und E-Gruppe unter DWZ 1499.

Karsten Schöne

Jürgen Werner
Vom SK Sieker versuchten sich Karsten Schöne (B-Gruppe), Jürgen Werner, Jörg Gareiss, Dietrich Schulz, Rainer Borgstedt (alle C-Gruppe), Dr. Joachim Nowak und Kosta Karaklajic (beide D-Gruppe) für die Endrunde Anfang Mai in Magdeburg zu qualifizieren. Dazu musste man in seiner jeweiligen Gruppe unter die ersten 5 kommen. Gespielt wurde im Ramada-Treff Hotel in Hannover-Laatzen (Nähe Messe). Nachdem wir angekommen waren meldeten wir uns kurz bei der Turnierleitung, um danach gleich im Hotel einzuchecken. Nachdem die Zimmer bezogen waren, hatten wir noch genügend Zeit für eine Tasse Kaffee. Die erste Runde sollte eigentlich um 10.00 Uhr beginnen, aber wie bei einem Turnier mit über 300 Teilnehmern nicht anders zu erwarten war, erzögerte sich der Beginn um gut 1 Stunde.
Erfreulicherweise hielten die "Offiziellen" (Bürgermeister, Landrat, Turnierleiter, etc.) nur kurze Begrüßungsreden.
Die erste Runde bescherte Karsten, Jürgen, Jörg, Dietrich und Rainer allesamt die schwarzen Steine, während Dr. Nowak und Kosta Weiß zugelost bekamen.

Jörg Gareiss

Didi Schulz
Karsten stand von Beginn an stark unter Druck. Er gewann zwar einen Bauern, dafür blieb sein König in der Mitte und er wurde im laufe der Partie regelrecht "auseinander genommen". Jürgen erhielt nach der Eröffnung eine gute Stellung. Im Mittelspiel opferte Jürgen dann einen Turm für 4 Bauern. Nach wechselhaften Verlauf gewann Jürgen dann seine Partie. Jörg hatte nach der Eröffnung eine leicht verdächtigte Stellung, die er aber nach und nach zum Gewinn ausbaute. Dietrich erspielte sich gegen einen wesentlich stärkeren Gegner ein Remis. In der Partie hatte er sogar zeitweise einen Mehrbauern, den er aber letztendlich nicht verwerten konnte. Die schönste Leistung der Runde aus unserer Sicht gelang Rainer. Er gewann gegen seinen ebenfalls stärkeren Gegner souverän im Endspiel. "Doktor" und Kosta haben den Turnierauftakt leider verpatzt. Beide haben Ihre Auftaktpartien verloren.

Nach der Mittagspause ging um 17.00 Uhr die zweite Runde los. Karsten versuchte mit Weiß die "Schmach" vom Vormittag vergessen zu machen. Er ging die Partie aber etwas zu ungestüm an. Nach einigen Tempoverlusten bekam er dann aber doch Vorteil. Doch als galt einen Mehrbauern einzufahren, sah Karsten plötzlich ein Matt, dass leider keines war. Die Partie endete dann Remis. Jörg spielte mit Weiß gegen die Russische Verteidigung und willigte leicht frustriert früh ins Remis ein (Original-Ton Jörg: "Wenn noch mal einer gegen mich Russisch spielt, biete ich sofort Remis an!"). Auch Dietrich´s Partie endete Remis. Sein Gegner entwickelte zwar Druck am Damenflügel, aber Dietrich behielt den Überblick und entschärfte den Angriff. In der Schlussstellung hatte Dietrich sogar leichten Vorteil. Rainer verlor leider seine Partie. Sein Gegner opferte kurzzeitig einen Bauern um am Damenflügel seine Freibauern laufen zu lassen. Gegen diese Bauern war dann kein Kraut mehr gewachsen.

Dr. joachim Nowak

Kosta Karaklajic
"Doktor" und Kosta verloren leider auch die zweite Partie. Um 21.00 Uhr waren dann alle beim Abendessen. Alle? Moment, da fehlt doch einer! Jürgen´s Partie war die letzte der gesamten Runde. In einer ausgeglichen Stellung verlangten sich Jürgen und sein Gegner alles ab. Als Jürgen noch 8 Minuten Restbedenkzeit hatte und sein Gegner 3, bot Jürgen Remis an. Sein Gegner lehnte dies aber ab. Jürgen war so perplex, dass er gleich im nächsten Zug eine Figur eingestellt hat. Zum Glück konnte Jürgen in beidseitiger Zeitnot noch den Remishafen erreichen. Zum Schluss hatten beide nur noch ca. 1 Minute auf der Uhr. Um sein Brett herum standen 3 Schiedsrichter und ca. 10 Zuschauer. Um 22.00 Uhr hatte sich dann auch Jürgen sein Abendessen verdient.

Die Turnierleitung
Nach eine paar Bierchen beendeten wir dann den ersten Tag um ca. halb 12. Die Zimmerverteilung hatten wir im Vorfeld schon geregelt. Ein Doppelzimmer teilten sich Dietrich & Karsten, Jürgen & Jörg und Dr. Nowak, der mit seiner sympathischen Frau angereist war. Rainer hatte ein Einzelzimmer, während Kosta abends immer nach Hause fuhr. Bei Dietrich & Karsten lief an dem Abend noch ein wenig der Fernseher. Auf einem Kanal zeigte man den Film " Rocky 3". Ob das Auswirkungen auf die Partien am nächsten Tag hatte? Soviel kann ich schon sagen, in der Vormittagspartie spielte Dietrich wie Rocky, während Karsten den nächsten Tag Schach spielte, als hätte er gegen Rocky geboxt!

2. Tag:

Der Samstag sollte für Jörg & Karsten der Tag des Grauens werden. Aber schön der Reihe nach. Nach einem reichhaltigen Frühstück gingen wir um 9.00 Uhr gestärkt an unser Tagwerk. Karsten hatte nach der Eröffnung noch gutes Spiel. Leider verpatzte er dann den Übergang vom Mittelspiel ins Endspiel. Somit stand eine weitere Null auf dem Konto. Jürgen musste gegen seinen jungen Gegner sehr genau spielen um das Gleichgewicht zu halten. Den halben Punkt fuhr er dann nach abwechslungsreichen Verlauf ein. Jörg musste eine Zeit lang auf seinen Gegner warten. Danach hat er seine Partie nach einem "Einsteller" aber schnell verloren. Dietrich spielte für Sieker die "Partie der Runde". Als Schwarzer opferte er in einer slawischen Verteidigung seinen Läufer auf h2. Sein Gegner war so erstaunt, dass er ungenau fortsetzte und sich in einem verlorenen Endspiel wiederfand. Rainer spielte gegen seinen starken Gegner mit Schwarz ein sicheres Remis. Unser Doktor holte ebenfalls ein Remis und hatte damit den ersten halben Zähler auf seinem Konto. Kosta hatte am Samstagmorgen spielfrei und kam kampflos zu seinem Punkt.
   
Nach dem anstrengenden Spielen
das gemütliches Beisammsein
der Siekeraner.
Nach der Mittagspause ging es um 15.00 Uhr in die vierte Runde. Karsten verlor in der Eröffnung einen Bauern. Dafür hatte er ein wenig Gegenspiel auf den gegnerischen König. Als Karsten´s Gegner dann aber auch auf Königsjagd ging, war es um Karsten geschehen. Er verlor nach einer schönen Kombination. Jürgen erhielt aus der Eröffnung heraus eine gute Stellung, die er nach und nach zum Gewinn ausbaute. Damit hatte Jürgen 3 Punkte aus 4 Partien. Sollte er die Schlussrunde auch noch gewinnen, wäre Ihm ein Platz unter den ersten 5 sicher. Jörg spielte wieder einmal sehr unglücklich. Sein Gegner ging als Schwarzer in unterentwickelter Stellung auf Bauernfang. Jörg erhielt Entwicklungsvorsprung der auch zum Gewinn gereicht hätte, wenn er nicht eine Figur eingestellt hätte. Somit hatte Jörg die zweite Null an diesem Tage eingefahren. Dietrich konnte seine Leistung vom Vormittag leider nicht bestätigen. In einer Caro-Kann Eröffnung tauschte er dummerweise seinen guten Läufer gegen einen Springer. In der Folgezeit kam sein Gegner am Damenflügel zu gutem Spiel und konnte die Partie dann, auch mit Hilfe von Dietrich´s Zeitnot, gewinnen. Rainer musste gegen den Alt-Bielefelder Reinhard "Hacker" Geisler antreten. Rainer konnte mit Weiß kurzzeitig einen Bauern gewinnen. Leider setzte er dann nicht konsequent genug fort und die Partie endete Remis. Ein Drama ist auch unserem Doktor widerfahren. Er überschritt in Gewinnstellung in "aller Seelen Ruhe" die Zeit. Kosta konnte seine erste Partie am Brett gewinnen und hatte damit 2 Punkte aus 4 Partien.


Wie heißt der nächste Gegner ???

Beim Abendessen hieß es dann für Karsten und Jörg erst einmal den Tag möglichst schnell zu vergessen. Danach wurde aber natürlich wieder positiv gedacht. Es galt jetzt alle Daumen für Jürgen zu drücken, denn nur er hatte von den "Siekeranern" noch Chancen auf die Preisränge. Entsprechend motiviert war Jürgen auch der Erste, der sich aus der geselligen Runde für die Nacht verabschiedete. Um 11 Uhr wurde die Runde dann aber auch entgültig aufgelöst und man begab sich zur Nachtruhe.

3. Tag:

Karsten hatte vor der Schlussrunde ja schon so eine Vorahnung. In der B-Gruppe gab es eine ungerade Teilnehmerzahl und der jeweilige Tabellenletzte hatte spielfrei. Und nun ratet mal wer am Sonntagmorgen nicht spielen musste.
Karsten hatte dann Zeit seine Sachen zu packen und die Hotelrechnung zu bezahlen. Danach wurden noch ein paar Fotos gemacht und natürlich mit Jürgen mitgefiebert.

Hey Jürgen
Glückwunsch zur Qualifizierung!!!
Jörg verlor leider auch die dritte Partie in Folge. Dementsprechend enttäuscht war Jörg dann auch mit dem Verlauf des Turniers. Dietrich spielte eine scharfe Variante der Skandinavischen Verteidigung. Unter Bauernopfer hatte Dietrich eine schnelle Entwicklung erreicht. Sein Gegner verbrauchte schon in der Eröffnung viel Bedenkzeit. Dietrich bot Remis an als er den Bauern zurückgewann. Sein Gegner nahm das Angebot in Anbetracht der Stellung und der Restbedenkzeit an. Damit konnten sich Dietrich und Karsten auf den Heimweg machen. Rainer kam in der Schlussrunde zu einem sicheren Remis. Er hat von Beginn an eine sichere Stellung aufgebaut, die sein Gegner nicht erstürmen konnte. Auch in der D-Gruppe gab es für die "Siekeraner" einen guten Abschluss. Sowohl unser Doktor als auch Kosta konnten Ihre Partien gewinnen. Einen kleinen Dämpfer gab es dann noch für den Doktor und seine Frau. Als sie sich auf den Heimweg machen wollten, streikte der Wagen. Aber zum Glück konnte Rainer Starthilfe geben. Das Beste kommt natürlich zum Schluss. Ja, Jürgen hat es wirklich geschafft!!!! Er gewann auch die Schlussrunde und kam damit in der Endabrechnung auf Platz 4 in der C-Gruppe. Damit ist für das Finale in Magdeburg qualifiziert. Ein schöner aber vor allen Dingen verdienter Erfolg für Jürgen. Er hat an den 3 Tagen wirklich gutes Schach gespielt. Auch Dietrich, Rainer, Kosta und der Doktor können mit Ihrem Abschneiden zufrieden sein.
          
Der Schachklub Werther war durch
Andreas Diembeck (v.l.) und Reinhard -Hacker- Geißler vertreten
Zudem, mit der Gewissheit an Erfahrung gewonnen zu haben beendeten Karsten und Jörg das Turnier. Aber das Wichtigste an dem Turnier war, dass es sehr viel Spaß gemacht hat. Das Spielen hat ebenso viel Spaß gemacht, wie das abendliche Beisammensein. Es wurde auch sofort vereinbart an der nächsten Serie der Amateurmeisterschaft teilzunehmen. Auf den folgenden Seiten findet Ihr noch einige Partien aus Hannover.

Von: Karsten Schöne
Schachklub Sieker Bielefeld